Franz Schubert - Kosegarten cycle


11. Die Mondnacht, D.238

Wilhelm:

Siehe, wie die Mondesstrahlen
Busch und Flur in Silber malen !
Wie das Bächlein rollt und flimmt !
Strahlen regnen, Funken schmettern
Von den sanft geregten Blättern,
Und die Tauflur glänzt und glimmt.
Glänzend erdämmern der Berge Gipfel,
Glänzend der Pappeln wogende Wipfel.

Durch die glanzumrauschten Räume
Flüstern Stimmen, gaukeln Träume,
Sprechen mir vertraulich zu.
Seligkeit, die mich gemahnet,
Höchste Lust, die süss mich schwanet,
Sprich, wo blühst, wo zeitigst du ?
Sprenge die Brust nicht, mächtiges Sehnen;
Löschet die Wehmuth, labende Thränen !

Wie, ach der Qual genesen ?
Wo, ach wo ein liebend Wesen,
Das die süssen Qualen stillt.
Eins ins andre gar versunken,
Gar verloren, gar ertrunken,
Bis sich jede Öde füllt -
Solches, ach, wähn' ich, kühlte das Sehnen,
Löschte die Wehmuth mit köstlichen Thränen.

Eine weiss ich, ach nur Eine,
Dich nur weiss ich, dich o Reine,
Die des Herzens Wehmuth meint.
Dich umringend, von dir umrungen,
Dich umschlingend, von dir umschlungen,
Gar in Eins mit dir geeint-
Schon', ach schone Wonneversunknen.
Himmel und Erde verschwinden dem Trunknen.


Updated: 17 December 1999 Kosegarten